Notizen

Die Friedensreiter

Der Westfälische Frieden von 1648 kann ohne Zweifel als eines der freudigsten Ereignisse der europäischen Geschichte bezeichnet werden. Nach den fünf Jahre andauernden Friedensverhandlungen wurde einer der längsten und schrecklichsten Kriege beendet, ein Erfolg von herausragender Bedeutung für Europa. Ausgehandelt wurde dieser Friede von zwei Delegationen, von denen eine in Münster und die andere in Osnabrück logierte. Die Verhandlungsangebote wurden von Friedensreitern zwischen den beiden Städten hin- und hergetragen. Am 15. Mai und 24. Oktober 1648 wurden die Verträge unterzeichnet. Auf Flugblättern verkündeten „freud- und friedenbringende Postreiter” aller Welt die gute Nachricht. Als die Friedensreiter 1648 von Osnabrück und Münster aus in die Hauptstädte ganz Europas ritten und die Nachricht vom Westfälischen Frieden verkündeten, brachten sie nicht nur eine politische Nachricht, die die Menschen zum Jubeln und Feiern veranlasste, sie wurden auch zu Botschaftern westfälischer Lebensart und Spezialitäten.

Zitiert aus ...

Das Böllern

Das Böllern hat seinem Wesen nach eine lange Tradition. Seit Jahrhunderten sind die Menschen bemüht besondere Ereignisse im eigenen Ort und wenn möglich darüberhinaus bekannt zu machen. Man bediente sich dazu des Lärms und erregte somit die gewünschte Aufmerksamkeit quasi mit Schallgeschwindigkeit. Die Wurzeln des Böllerns liegen im 14. und 15. Jahrhundert. Ganz besonders intensiv gepflegt wurde und wird es in Bayern.

Die Kirchenkanone von 1901

Mit dem folgenden Bericht möchten wir Ihnen ein paar Informationen zur Geschichte und zur ursprünglichen Verwendung der Kanone der katholischen Kirchengemeinde Hunteburg "Heilige Dreifaltigkeit" geben.

Bei der Neugestaltung des Pfarrhauses 1997 wurde die Kanone im hauseigenen Keller entdeckt. Unrenovierte KirchenkanoneSie konnte inzwischen restauriert werden und ist wieder voll funktionsfähig. Insgesamt besaß die Gemeinde drei davon.

Nach den Erinnerungen von Hermann Michael, unserem langjährigen Küster, gab es damals zwei Anlässe, zu denen geböllert wurde. Zum einen, wenn der Bischof aus Osnabrück die Kirchengemeinde besuchte, und zum anderen bei der jährlichen Fronleichnamsprozession. Bei seinen Besuchen wurde der Bischof bereits an der Ortsgrenze zwischen Hunteburg und Schwagstorf (das ist von Hunteburg aus betrachtet kurz vor Koch) mit einer Kutsche und in Begleitung von bunt geschmückten Fahrrädern, später auch mit Reitern, abgeholt. Das Erreichen der Ortsgrenze war gleichzeitig Anlass auf dem Kirchdamm zu böllern, damit alle wussten, dass der Bischof angekommen war. Ging er dann über den Kirchdamm zur Kirche, wurde zur Begrüßung eine Salve von Kanonenschüssen abgefeuert.

Bei den Fronleichnamsprozessionen war es so, dass bis 1937 oder 1938 mit drei Kanonen geböllert wurde, und zwar wurden immer dann drei Böllerschüsse abgefeuert, wenn sich die Prozession an einem der vier Altäre befand und diese gesegnet wurden. Der Prozessionsweg war übrigens ein anderer und wesentlich länger als der heutige. Unrenovierte Kirchenkanone Durch die im laufe der Jahrzehnte veränderten Straßenführungen lässt er sich nicht ganz exakt beschreiben. Beginnend an der Kirche war der erste Altar dort, wo auch jetzt noch die erste Station ist, nämlich bei Telscher gegenüber. Von dort ging es weiter entlang der "Dammer Straße", rechts in den "Grünen Weg" hinein, vor Gramke am Gut Streithorst vorbei, den Streithorstweg entlang und vor Hegerfeld links zum "Hilgenbrink", jetzt "An der Lammert". Dort war auch der zweite Altar. Hinter "Möllers Helma" rechts, führte die Prozession weiter über das ehemalige Werksgelände der Firma Brusina, an der kleinen Streithorst und am Amtshaus vorbei über die Hauptstraße zum "Schelenkamp", jetzt "Herringhauser Straße". Hier war bei Fritz Gering der dritte Altar. Von dort ging es über die jetzige "Rosenstraße" quer durch zum vierten Altar bei Trentmann⁄Westerkamp. Danach ging man wieder zurück zur Kirche.

Da es damals weder Funkgeräte noch Handys gab, erfolgte die Verständigung mit Fahnen, die geschwenkt wurden. Jemand musste also vom Kirchturm aus die Prozession verfolgen und dieser gab dann das Zeichen für die Böllerschüsse.

Die letzten "Böllermeister" waren Ludwig Koors (Koors Lui), sein Bruder August Koors und Heinrich Dörfler. Geböllert wurde auch damals mit Schwarzpulver, verdämmt wurde mit Papier, gezündet mit einer glühenden Eisenstange, die in das Zündloch gehalten wurde. Dafür musste immer eine Feuerstelle in der Nähe der Kanonen eingerichtet werden.

Die wiederentdeckte Kanone stammt aus dem Jahre 1901 und wurde von der Firma Dahl hergestellt. Sie ist also jetzt über 100 Jahre alt. Das Holz der Lafette ist noch das Original. Es ist von einem Stellmacher restauriert worden, der auch die Räder erneuert hat. Ebenso ist die Achse überarbeitet worden. Die Restaurierung der Kanone erfolgte durch den Karbid-Böller-Verein. Das Gerät ist beim Beschussamt in Kiel neu beschossen worden. Mit der Kanone kann deshalb offiziell geböllert werden.

Renovierte KirchenkanonePastor Ulrich Beckwermert hat sie dann am Ostermontag 2001 nach dem Hochamt auf dem Kirchplatz gesegnet und somit endgültig wieder in "Betrieb" genommen.
Die technische Daten der Kirchenkanone sind:
- Kaliber 28mm
- Gebrauchsladung 30g Böllerpulver
- Verdämmung 12g
- Hersteller: Firma Dahl, Bj. 1901

An dieser Stelle nun die Frage nach den beiden anderen Kanonen. Wer weiß, wo diese geblieben sein könnten, bzw. wer hat sie evtl. aufbewahrt?  Der Ortsrat würde die Restaurierung der zweiten Kanone übernehmen.